NBK Neuer Berliner Kunstverein
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Critic’s Choice
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Kai Schiemenz, ausgewählt von Knut Ebeling

Eröffnung: Freitag, 7. November 2003, 19 Uhr

Angeregt von der positiven Resonanz unserer langjährigen Ausstellungsreihe Ortsbegehung, die jüngeren Berliner Kuratoren oder Kuratorinnen die Möglichkeit bietet, als Gäste eine Auswahl von aktuellen Kunstpositionen aus Berlin im NBK zu präsentieren, wollen wir eine ähnliche Serie starten, in welcher wir diesmal jüngere Berliner Kunstkritiker oder Kunstkritikerinnen einladen, ihre Wahl in die Realität einer Ausstellung umzusetzen und somit ihre Standpunkte nicht nur auf Zeitungsspalten in schriftlicher Form mitteilen zu können. Ihre passive "Reaktion" (critic’s voice) auf Kunstereignisse soll in eine tätige "Aktion" (critic’s choice) umgesetzt werden. (Die englische Bezeichnung wurde gewählt, weil wir die umständlichen  deutschen Ausdrücke „Kritiker und Kritikerinnen“ vermeiden wollten, um den Titel kurz und prägnant zu halten.) Von dem Rollentausch versprechen wir uns nicht nur neue Einsichten in unsere kunstvermittlerische Arbeit, sondern auch eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle des Kritikers im heutigen Kunstsystem.

Im vergangenen Jahrzehnt beschäftigten sich zahlreiche Symposien mit dem Thema der Kunstkritik. Zuletzt vor einem Jahr, im November 2002, griff eine Tagung während der Art Cologne den „Fall Kunstkritik“ auf, wo der ZEIT-Kritiker, Hanno Rauterberg, eine scharfsinnige Analyse der Lage lieferte, die er mit einem Appell an die Kritikerzunft beschloss, selbst etwas gegen die Tendenz ihrer sinkenden Wahrnehmung zu unternehmen und statt der gegenwärtig vorherrschenden Unsicherheit kritischer Stellungnahmen und damit verbundenen Nivellierung wieder Mut zum eigenen Urteil zu haben. Für einen neuen Wirkungsmechanismus der Kunstkritik und gegen ihren Macht- und Prestigeverlust möchte die Ausstellungsreihe critic's choice, begleitet mit der Publikation cahiers critiques, einen weiteren Diskussionsbeitrag leisten.

In diesem Sinne fiel unsere Wahl als ersten Kritiker-Kurator der Reihe Critic’s Choice auf jemand, der nach unserer Meinung den Kriterien Rauterbergs Appell standhält.  Knut Ebeling vertritt den Typus des philosophisch gebildeten und akademisch lehrenden Kritikers, der neben den Disziplinen des wissenschaftlich gelehrten Denkens auch das genauso wichtige Handwerk des Journalismus erlernt hat. In seiner Laudatio anlässlich der Verleihung des Carl-Einstein-Preises für Kunstkritik an Ebeling, bescheinigte Matthias Flügge ihm „eine beschreibend-analytische Sprache, die Phänomene zu benennen vermag, um sie alsdann erklärend in einen Zusammenhang zu stellen“.

Knut Ebeling präsentiert Kai Schiemenz, einen Künstler, dem er nicht nur die gebotene Qualität attestiert, um ausgewählt zu werden, sondern auch die nötige Voraussetzung, mit ihm in eine „Symbiose“ einzutreten, wie diese von einem anderen Kritikerkollegen, Michael Hübl, als Idealfall einer Zusammenarbeit von Künstler und Kritiker bewertet wird. Nach unserer Meinung funktioniert die Partnerschaft zwischen Ebeling und Schiemenz beispielhaft.

Zuerst reagierte Ebeling auf unsere Einladung mit einer ebenso prägnanten wie skeptischen Bemerkung, die er dann als einleitenden Satz seines Katalogtextes beließ: "Eine Reihe unter dem Motto critic's choice unterstellt von vornherein drei Dinge: die Existenz der Kunstkritik, die Existenz eines choice und die Existenz eines ausgewählten Objekts – drei Annahmen, die nicht nur im Hinblick auf die Berliner Situation 2003 bestreitbarer sind als je zuvor.“ Trotzdem nahm er die Herausforderung an und beschloss, neben der Bewältigung der von uns gestellten Aufgabe auch „eine Konzeption der Kritik zu entwickeln, die die Begriffe des Betriebs, seiner Regeln und des Spiels integriert“.

Zur Ausstellung erscheint im Revolver Verlag das Katalogheft cahiers critiques 1 zum Preis von 15 Euro.