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Zeitgenössische
Fotokunst aus Finnland Elina Brotherus • Henrik
Duncker • Veli Granö • Pertti Kekarainen Als konsequente Fortsetzung
einer Serie, die sich mit zeitgenössischer Fotografie verschiedener Länder
auseinandersetzt, zeigt der Neue Berliner Kunstverein vom 15. März bis
27. April 2003 die Ausstellung „Zeitgenössische Fotokunst aus Finnland“.
Sie bietet einen aktuellen Einblick in die Fotokunst Finnlands, eines Landes
im Norden Europas, dessen Architektur und Design wohlklingende und weltweit
bekannte Begriffe sind, dessen Fotokünstler jedoch – abgesehen von einigen
wenigen namhaften Ausnahmen – in der deutschen Öffentlichkeit bis heute
nicht ausreichend wahrgenommen wurden. Wir sind noch immer gewohnt, Finnland
an der Peripherie unseres Kontinents zu wähnen, obwohl es längst
politisch, wirtschaftlich und kulturell ins zentrale Geschehen Europas eingebunden
ist. Seine hochentwickelte Technologie auf den Gebieten der Elektronik und
Telekommunikation und seine beispielhafte Bildungspolitik haben sicherlich
einen großen Anteil in diesen positiven Veränderungen. Die Kunstszene
Finnlands wird auch zunehmend in das Kunstleben Europas miteinbezogen. Das technische Medium
Fotografie spielt eine wichtige Rolle in der zeitgenössischen finnischen
Kunst. Sie dient den Künstlern als geeignetes Ausdrucksmittel, mit dem
sie auf die tiefgreifenden sozialen Umwandlungen reagieren und ihr Verhältnis
dazu thematisieren können. Ihre Arbeiten widerspiegeln die Brüche
und Widersprüche der vergangenen Jahrzehnte. Je mehr die technisierte
Kommunikation und die Einbindung in eine globalisierte Welt voranschreitet,
umso stärker fühlt der Einzelne die Entfremdung von seinen kulturellen
Wurzeln, die von einer fundamentalen Bindung an die sie umgebende Natur
und von den daraus hergeleiteten, über Jahrhunderte wachgehaltenen
Mythen geprägt sind. Die heutige finnische Fotokunst steht in diesem
Spannungsfeld von Identitätsverlust und Identitätssuche. Die Auswahl
für unsere Ausstellung fand vor diesem Hintergrund statt. Es werden
bestimmte Schwerpunkte miteinander in Beziehung gesetzt und dem sich zur
Zeit vollziehenden Generationswechsel Rechnung getragen. Neben international
etablierten Fotografen, wie Esko Männikkö und Jorma Puranen, werden
Werke von noch wenig bekannten Vertreterinnen der jüngsten Künstlergeneration,
wie Riitta Päiväläinen und Kati Rapia, präsentiert.
Obwohl unsere Auswahl
mit elf Positionen keinen umfassenden Überblick der zeitgenössischen
finnischen Fotokunst bieten kann, ist sie in der Lage, einige ihrer wichtigsten
Aspekte aufzuzeigen: Fotografie als Medium der Beobachtung, Dokumentation
und Interpretation der finnischen gesellschaftlichen Realität und deren
Konflikte, oder als Metapher der Erinnerungsarbeit mit dem forschenden Blick
auf die eigene Geschichte und deren Identität stiftende Mythen, oder
als Konzeptkunst, die gedankliche Inhalte über die Befragung des Wirklichen
in einem globalen Diskurs fortentwickelt. |