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Daniel
Richter
Hirn
9. Mai - 22. Juni 2003
Eröffnung: Donnerstag, 8. Mai 2003, 19
Uhr
Der 1962 in Eutin geborene, heute in Berlin und Hamburg lebende Daniel Richter
gehört zu den jüngeren deutschen Künstlern, die seit Beginn
ihrer künstlerischen Tätigkeit die Auseinandersetzung mit dem klassischen
Medium Malerei konsequent fortgesetzt und ihre lange Geschichte als Ansporn
und Verpflichtung zugleich empfunden haben. Mitte der neunziger Jahre entwickelte
Richter eine Bildsprache, in der eine labyrinthische Fülle von abstrakten
Formen vorherrschte. Aus dieser dichten Allover-Struktur schälten sich
seit 2000 zunächst schemenhafte Figuren heraus, die später immer
deutlichere Formen annahmen. Die Bildkompositionen wurden von einer Fülle
von grotesken Motiven, zeitgeschichtlichen Themen und kunsthistorischen Zitaten
bestimmt.
Unsere Ausstellung – die erste Einzelausstellung Daniel Richters in einer
öffentlichen Institution in Berlin – präsentiert ein Dutzend ausgewählter,
in Berlin noch nicht gezeigter Werke aus beiden Phasen des Künstlers.
In der Gegenüberstellung versucht sie den Beweis zu erbringen, dass in
Richters Malerei kein Bruch, keine abrupte „Wende“ von einer puren Abstraktion
zu einer reinen Figürlichkeit stattfand, wie von manchen seiner Interpreten
behauptet wurde, sondern eher eine bewusste Erweiterung, „Ausdehnung“
seines malerischen Prinzips.
Die Ölbilder werden mit ca. 60 Arbeiten auf Papier aus den beiden letzten
Jahren begleitet, die im NBK zum ersten Mal gezeigt werden. Sie bieten einen
neuen Blick auf die Arbeitsweise Richters, weil sie deren Bausteine offenlegen.
Sie sind trotz ihrer autonomen Form- und Bildfindungen in erster Linie skizzierte
Ideenträger zu den Gemälden und dienen dazu, die spontane Niederschrift
des unmittelbaren Ausdrucks in die komplexeren, ausgereiften Kompositionen
der Großformate zu übertragen.
Daniel Richter hat der Ausstellung im NBK den Titel „Hirn“ gegeben. Schon
seine beiden letzten großen Ausstellungen trugen jeweils einen Buchtitel
als Überschrift: „Billard um halbzehn“ und „Grünspan“ (nach den
Romanen von Heinrich Böll und Hubert Fichte). Diesmal war der Essayband
des Pop-Literaten Rainald Goetz Titelgeber. Obwohl diese Buchtitel häufig
auch in den einzelnen Bildtiteln wieder auftauchen, bestehen keine zwingenden
inhaltlichen Verbindungen zwischen ihnen, sondern sie dienen nur als assoziative
Hinweise auf den Entstehungsprozess der Werke. Im Falle unserer Ausstellung
ist man eher geneigt, zwischen dem Titel inspirierenden Autor und dem ihn
lesenden Künstler manche Parallele zu entdecken, dadurch, dass Daniel
Richter in seiner Malerei Sampling und Überlagerung, Zerlegung und Zusammenfügung
– ähnlich wie Goetz in seinen Schriften „arrangiert, collagiert und dispergiert“
– als Methode anwendet.
Zur Ausstellung erscheint im Hatje/Cantz Verlag eine von Daniel Richter
konzipierte und gestaltete Publikation (deutsch-englisch) mit einem Text
von Britta Schmitz zum Preis von 28 Euro, die alle gezeigten Zeichnungen
des Künstlers dokumentiert.
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