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Zeitgenössische
Fotokunst aus Griechenland
17. Januar bis 29. Februar 2004
Eröffnung: 16. Januar, 19 Uhr
Manolis Baboussis • Christina Calbari • Melinna Kaminari • Panos Kokkinias
Yiannis Konstantinou • Nikos Markou • Lia Nalbantidou • Nikos Panayotopoulos
Vassilis Polychronakis • Epaminondas Schizas • Panos Vardopoulos
Nikoletta Zissi
Kurator: Hercules Papaioannou, Thessaloniki
Als konsequente Fortsetzung einer Serie, die sich mit zeitgenössischer
Fotografie verschiedener Länder auseinandersetzt, zeigt der Neue Berliner
Kunstverein vom 17. Januar bis 29. Februar 2004 eine Ausstellung zeitgenössischer
Fotokunst aus Griechenland. Über die griechische Fotografie wissen wir
in Deutschland wenig. Aus ihrer Geschichte im 20. Jahrhundert ist bei uns
lediglich die in den zwanziger Jahren wirkende Fotografin Nelly weithin bekannt.
Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen in erster Linie in
der geschichtlichen und gesellschaftlichen Situation Griechenlands im vergangenen
Jahrhundert. Erst in den siebziger Jahren, nach Wiederherstellung der Demokratie,
trat die Generation der sog. Neuen Griechischen Fotografie in Erscheinung,
meist Fotografen, die vorher jahrelang im Ausland gelebt haben. In den achtziger
Jahren entwickelte sich zudem die notwendige institutionelle Infrastruktur
mit entsprechenden Einrichtungen, wie dem “International Month of Photography“
in Athen oder dem Fotofestival „Photosynkyria“ in Thessaloniki. Aus diesem
Gründergeist heraus entstand 1997 auch das Thessaloniki Museum of Photography,
das seine Tätigkeit ausschließlich der Präsentation und dem
Sammeln zeitgenössischer Fotokunst widmet und sich somit als idealer
Partner für unsere Zusammenarbeit erwies.
Die Ausstellung kann verständlicherweise keinen repräsentativen
Überblick aller Richtungen der griechischen Fotografie der Gegenwart
bieten und muss sich daher auf eine spezifische Auswahl beschränken.
Sie soll am Beispiel von zwölf Künstlern zeigen, wie sich die heutige
Fotokunst in Griechenland mit den beiden Themen „Raum“, ein Erbe der Tradition
der Landschaftsfotografie, und „Selbst“, eine neu hinzugewonnene Beschäftigung
mit dem Persönlichen und Intimen, auseinandersetzt. Zum ersten Themenkreis
gehören die Arbeiten von Nikos Markou mit seiner Erkundung der zivilisatorischen
Ruinen der Gegenwart, Epaminondas Schizas mit seinen auf pittoreske Strandszenen
ironisch anspielenden und durch Konsummüll verunreinigten Meeresansichten,
Nikos Panayotopoulos mit seiner in sich zerrissenen und in ihrer Realität
widersprüchlichen Stadtlandschaften, Manolis Baboussis mit seinen sachlichen
Aufnahmen von Bankautomaten und Tresorräumen als Sinnbilder für
entmenschlichte Kommunikation, Panos Kokkinias mit seinen inszenierten und
ein Gefühl der Einsamkeit vermittelnden Innenräumen, sowie die mit
Computer generierten Bilder von Yiannis Konstantinou, die realistische Topografien
von einer nicht existierenden Wirklichkeit konstruieren. Zum zweiten Themenkomplex
zählen die Fotografien von Lia Nalbantidou mit ihren autobiografischen,
das Vertraute untersuchenden Bildern, Panos Vardopoulos mit seinen skurrilen,
mit veränderten Maßstäben operierenden Alltagssituationen,
Nikoletta Zissi mit ihren sozialkritischen Selbstdarstellungen in verschiedenen
Rollenmodellen, Vassilis Polychronakis mit seiner wirkungsvoll inszenierten
Bildfolge von Gewaltopfern, Christina Calbari mit ihren performativ situierten
Kompositionen des fragmentarischen Selbst, schließlich Melinna Kaminari
mit ihren Erinnerungsfotos von Freunden, in denen die einzelnen Schichten
des Gedächtnisses ein einheitliches Bild der Personen verwehren und
so auf die stete Unvollständigkeit unserer Erinnerungen verweisen.
Die Ausstellung, die anschließend auch in Galerie der Stadt Sindelfingen,
in der Stadtgalerie Kiel und im Halleschen Kunstverein gezeigt wird, erhielt
eine großzügige finanzielle Förderung durch die Griechische
Kulturstiftung Berlin, die staatliche Kulturvertretung des Landes für
den deutschsprachigen Raum.
Der Katalog, der im Verlag Braus erscheint und während der Ausstellung
19,- Euro kostet, ist Teil unseres Konzepts, die Fotokunst der Gegenwart mit
einer fortgeführten Serie von Publikationen vorzustellen. Die Textbeiträge
stammen von Kostias Antoniadis, Direktor des Thessaloniki Museum
für Fotografie, und von Hercules Papaioannou, Kurator ebendort.
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