NBK Neuer Berliner Kunstverein
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Rainer Fetting - Selbstportraits 1973 - 1998  

8.5. - 20.6.1999 

Eröffnung am 7.5.1999, 19 Uhr 
  

Rainer Fetting, der erfolgreichste und bekannteste Vertreter der vor zwanzig Jahren den Siegeszug angetretenen Generation der "Neuen Wilden", feiert dieses Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag. Der Neue Berliner Kunstverein nimmt dieses Jubiläum zum Anlaß, dem mit Berlin - wo er seit 1972 lebt und arbeitet - eng verbundenen Künstler eine Ausstellung zu widmen, die auf besondere Weise seinen künstlerischen Weg im vergangenen Vierteljahrhundert dokumentiert. Nachdem eine alles umfassende Retrospektive weder im Interesse des Künstlers stand noch die räumlichen Möglichkeiten des NBK eine solche erlaubten, entschlossen wir uns, ein einziges Thema aus dem vielfältigen Oeuvre Fettings herauszugreifen, einen Themenbereich, der bisher noch nie zusammenfassend betrachtet wurde, obwohl er zu einem der wichtigsten Gegenstände seiner Malerei gehört, der ihn in all diesen Jahren kontinuierlich beschäftigt hatte: das Selbstportrait. 

 
Rainer Fetting, Grünes Selbstportrait, 1981 
  

Rainer Fetting arbeitete schon immer in Serien und Zyklen, aber seine Selbst- bildnisse zeigen vielleicht am deutlichsten die Kontinuität, wie er seine künstlerischen Ziele verfolgt, in welchem kunsthistorischen Zusammenhang er sich selbst sieht und warum er auch im Zeitalter der digitalen Medien das Malen von Tafelbildern nicht im geringsten anachronistisch empfindet.

Das Selbstportrait gehört zweifelsohne zu den großen Themen der abend- ländischen Kunstgeschichte. Es hat eine über viele Jahrhunderte zurück- reichende Tradition von den ersten frühen Exemplaren der Renaissance über Rembrandt und den Vertretern der Klassischen Moderne bis heute. Es gibt kaum einen figurativen Maler von Bedeutung, der sich nicht mit seinem eigenen 
Gesicht auseinandersetzte. Wie am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts eine verstärkt aufkommende Beschäftigung mit der eigenen Person und die psychologische Interpretation ihrer Subjektivität das Entstehen von Selbstbild- nissen geradezu herausgefordert hatte (wozu auch die Verbreitung der Fotografie ihren Teil beitrug), so ist die Selbstbefragung des Künstlers, seine Auseinandersetzung mit sich selbst - mit welchen technischen Mitteln auch immer - seit den späten siebziger Jahren durch die zunehmende Individualisierung in unserer Epoche wieder in einem erstaunlichen Maß zum Thema geworden. 

In den rund dreißig im NBK gezeigten Beispielen aus dem großen Bestand von Selbstbildnissen Fettings wird ein großer Bogen geschlagen von den frühen Selbstportraits des Akademiestudenten des Jahres 1973, die den jungen Maler in voller Größe in einer hellen und lebendigen Farbigkeit abbilden, bis zu den mit überwiegend dunklem und gebrochenem Kolorit gemalten Rundformaten der neunziger Jahre des reifen Künstlers, die nur noch einen Ausschnitt seines Gesichts mit dem bohrenden Blick zeigen. In dieser Abfolge wird die Intensität eines Dialogs sichtbar, den Fetting über viele Jahre hinweg zwischen seinem Ich und seinem die malerische Existenz ausmachenden Bild-an-sich geführt hat. Seine Selbstportraits, die ihn auf der einen Seite als Vehikel für die Ausübung seiner malerischen Virtuosität dienen, legen auf der anderen Seite von der Erkenntnis Zeugnis ab, daß das Vermögen, die Welt zu verstehen, erst über den Umweg des Sich-selbst-Verstehens erreicht werden kann. 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalogbuch im Verlag Ars Nicolai mit Texten von Donald Kuspit, Lothar Romain sowie Demosthenes Davvetas und ca. achtzig farbigen Abbildungen, der während der Ausstellung 48 DM kostet. Zugleich mit der Gesamtauflage wird eine Vorzugsausgabe von 50 Exemplaren mit einer Original-Farblithographie "Selbst als Rembrandt" (numeriert und signiert) zum Preis von 900 DM herausgegeben.