NBK Neuer Berliner Kunstverein
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Zeitgenössische Fotokunst aus Japan 

6. November - 19. Dezember 1999 
  

Als konsequente Fortsetzung einer Serie, die sich mit zeitgenössischer Foto- grafie verschiedener Länder auseinandersetzt, zeigt der Neue Berliner Kunstverein vom 6. November bis 19. Dezember 1999 die Ausstellung „Zeitgenössische Fotokunst aus Japan". Sie soll einen aktuellen Einblick bieten in die Fotografie eines Landes, das in Deutschland stets mit diesem Medium als Massenphänomen assoziiert wird. 

Das heutige Japan ist Schauplatz eines Aufeinanderprallens größter Gegensätze. Eine archaische, von buddhistischen Regeln bestimmte, noch immer höchst lebendige Kultur trifft auf eine, von modernster Technologie geformte und seit 1945 zutiefst amerikanisierte Gesellschaft. Die digitale Revolution mit ihren Computer- und Videospielen einerseits und das abbröckelnde Wirtschaftswachstum und die damit verbundene Existenzangst andererseits haben in den letzten Jahren bewirkt, daß immer mehr Menschen in Japan der Realität durch die Angebote der neuen Medien, die in alle Lebensbereiche eingedrungen sind, entfliehen wollen. Der rasche Wandel in der japanischen Gesellschaft führt nicht nur zur Vereinsamung des Individuums, sondern auch zu einer Art enthistorisierenden Nivellierung der sozialen Strukturen. 

Aufgrund dieser Entwicklung bekommt die Fotografie - und die anderen sog. „fixierenden" Bildmedien - in Japan einen besonderen Stellenwert. Dinge unverändert zu lassen, flüchtige Augenblicke festzuhalten und für immer aufzubewahren, war schon jeher der Traum der Menschen (und nicht nur in Japan), zu welchem Zweck die Fotografie seit ihrer Erfindung dienen sollte. Gerade in der heutigen Welt der verschwindenden Sicherheiten bleiben Erinnerungen die einzig rettenden Stützpunkte der Existenz. Deshalb ist es kein Zufall, daß Hiromi Nakamura, die Kuratorin unserer Ausstellung, den Begriff „memoria" zum Motto und Ausgangspunkt ihrer Auswahl bestimmt hat. 

Es ging ihr - und uns, dem Veranstalter - ohnehin nicht darum, einmal mehr die vielgezeigten „Stars" der japanischen Fotoszene -  wie Araki, Morimura, Sugimoto oder Mariko Mori - vorzuführen, deren Einzelausstellungen und Beteiligungen an Gruppenausstellungen in Deutschland in den vergangenen Jahren so zahlreich waren wie die Abbildungen ihrer Werke in Büchern, Katalogen und Zeitschriften, sondern am Beispiel von dreizehn Positionen überwiegend jüngerer und in Europa noch wenig bekannter Fotokünstler anschaulich zu machen, welche Bedeutung die Verknüpfung des Ichs mit dem Bewußtsein für Erinnerungen und mit der Gedächtnisfähigkeit in der zeit- genössischen japanischen Fotografie besitzt. Entlang dieses gedanklichen Konzepts werden Themenbereiche behandelt - wie Erinnerung der Familie (Midori Mitamura), des Kriegs (Saburo Ota), des Lichts (Kunie Sugiura) oder der Meisterwerke (Yuji Ono), um nur einige wenige zu nennen - , die sowohl in ihrer Verschiedenheit als auch in ihrer Gesamtheit für die gegenwärtige Situation in Japan und für die Beschäftigung mit ihr in der Fotokunst von Bedeutung sind. 

Die Ausstellung, die in Berlin in der Veranstaltungsreihe „Japan in Berlin 1999 bis 2000" verankert ist, wird anschließend auch im Halleschen Kunstverein, im Museum Bochum und im Badischen Kunstverein, Karlsruhe, gezeigt. Finanzielle Unterstützung für die Realisierung des Projekts erhielten wir durch den Regierenden Bürgermeister von Berlin - Senatskanzlei, der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Berlin und von der Shiseido Deutschland GmbH, Düsseldorf. 

Der Katalog, der im Verlag Umschau:Braus erscheint und während der Ausstellung DM 38,-- kostet, ist Teil unseres Konzepts, die Fotokunst der Gegenwart mit einer Serie von Publikationen vorzustellen. Die Textbeiträge stammen von zwei renommierten japanischen Experten, Ryuichi Kaneko und Hiromi Nakamura vom Tokyo Metropolitan Museum für Fotografie.